Taufgedächtnis-Gottesdienst
Empfang des Primizianten in seiner Heimatpfarrei


Predigt des Primizianten, Michael Reißer

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Wenn man am Samstag Morgen die Zeitung in die Hand nimmt, dann ist sie immer schon ein wenig dicker, als an den sonstigen Tagen. Nicht nur, weil es am Samstag die meisten Todesanzeigen gibt, auch nicht, weil am Samstag immer viele Hinweise auf Veranstaltungen, Bälle, Tanzabende und Hochzeiten drinnen stehen. Sie ist so dick, weil immer ein großer Teil mit Inseraten und Stellenanzeigen beiliegt.
In letzter Zeit kommt auch die Kirche langsam darauf, moderne Mittel der Werbung zu verwenden, und seit meinem Studium verfolge ich ein wenig, welch ungewohnte Wege man so auch in der Kirche einschlagen kann. Und manchmal mache ich mir auch selbst Gedanken, was für eine ungewöhnliche Aktion man machen könnte. Eine solche Idee war es auch, eine Stellenanzeige zu entwickeln – nicht eine Stellenanzeige für einen "Priester" oder "Pfarrer" – solche sind in den diözesanen Amtsblättern ja sowieso zu finden – sondern eine "Stellenanzeige für Christen" allgemein.
So eine Stellenanzeige sollte dem einfachen Aufbauschema folgen: ‘Was wir von einem Bewerber erwarten’ – ‘Was wir einem Bewerber bieten’.
1. "Wir erwarten": Was sind die Voraussetzungen, die jemand mitbringen muss, der sich um diese Stelle als "Christ" bewerben will? Man muss die Gebote halten, am Freitag fasten und am Sonntag in die Kirche gehen, vor dem Essen und vor dem Schlafen gehen beten, einmal im Jahr beichten, und darf natürlich nie schlecht über den Pfarrer reden – habe ich etwas vergessen? Nein, auch wenn einem diese Punkte zuerst in den Kopf kommen, so liegen sie dennoch daneben. Niemand geringerer als Paulus schreibt es kurz und klar in seinem Römerbrief, welche Voraussetzung jemand, der Christ werden will, mitbringen muss: "Wenn du mit dem Mund bekennst 'Jesus ist der Herr' und in deinem Herzen glaubst 'Gott hat ihn von den Toten auferweckt', so wirst du gerettet werden." Der Glaube ist die einzige Voraussetzung um Christ zu werden: der Glaube an Jesus als Herrn und Gott, und an seine Auferstehung. "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit." – so beten wir in jeder Eucharistiefeier, und das soll auch auf dieser Stola zum Ausdruck gebracht werden.
2. "Wir bieten": Paulus hat es in dem gerade zitierten Satz aus der Lesung bereits gesagt, was einem Christen dann geboten wird: "... so wirst du gerettet werden." Das erste, was einem Christen gesagt wird, ist immer noch nicht, was er jetzt tun muss [du musst jetzt die Gebote halten und am Sonntag in die Kirche gehen etc.]; im Gegenteil: Gott tut ihm etwas. Vor jeder eigenen Leistung steht das Angebot Gottes, der uns erlösen will, der uns Heil schaffen möchte, der uns ‘wahres Leben’ schenken will. Auf seine Nähe dürfen wir immer vertrauen, seine Gerechtigkeit soll unter den Christen spürbar sein. Das sagt er uns zu, und zwar schon in dem Moment, in dem wir Christ werden, bei unserer Taufe.
Die Priesterweihe war natürlich ein großes Ereignis für mich, aber wesentlicher und wichtiger ist mir die Taufe; durch sie gehöre ich zu Christus [und darf mich ‘Christ’ nennen!]. Das ist es, worauf ich stolz sein kann. Und ich bin jetzt kein anderer Christ geworden durch die Priesterweihe; auch wenn manche meinen, sie müssten mich nun mit irgendwelchen Titeln ansprechen – "Herr Primiziant" o.ä. – ich bin immer noch der Michael Reißer, der ich vorher war; und ich bitte Sie, dass Sie mich auch weiterhin so ansprechen und nehmen wie bisher – eigentlich selbstverständlich ...
"Gott bietet Ihnen etwas an", das ist der wichtigste, der zentrale Abschnitt dieser Stellenanzeige – und spätestens hier kann man den Plan, eine Stellenanzeige zu schreiben, abbrechen. Gott möchte uns etwas schenken, er bietet uns etwas an, wenn wir an ihn glauben. Wenn schon eine Anzeige, dann eher in der Rubrik "Das gibt’s geschenkt". Ich möchte aber noch einen Schritt gehen: Sie kennen die Situation, wenn eine Mutter mit ihrem kleinen Kind in der Metzgerei ist, und das Kind eine Scheibe Wurst geschenkt bekommt. Meist muss seine Mutter es auffordern: "Wie sagt man?" Später, wenn das Kind größer wird, weiß es, dass man auf ein Geschenk auch "Danke" sagt.
Gleiches gilt wohl, wenn Gott uns beschenkt. Auch hier wird man wohl ihm gegenüber dankbar sein. Wie sich diese Dankbarkeit äußert, das lässt sich gewöhnlich in drei Bereiche einteilen:
• Zuerst werden wir ihm natürlich direkt unseren Dank aussprechen: ihm danken, ihn für sein Tun loben: Das Lob Gottes, das Feiern, dass wir beschenkt worden sind: Wir tun das in der Liturgie, im Gottesdienst.
• Von diesem Gott, von dem man Gutes erfahren hat, erzählt man weiter, verkündet die Frohe Botschaft weiter. "Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über." Das gilt auch für das Wort Gottes; wie Paulus schreibt: "Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen."
• Nicht nur weiter erzählen wird man dieses Wort, sondern auch entsprechend handen: das Heil weiter geben. Dies zeigt sich konkret in der Nächstenliebe, der ‘caritas’.
Diese drei Bereiche, Gottesdienst, Verkündigung und Nächstenliebe [oder Leiturgia, Martyria und Diakonia, wie sie mit griechischem Fachbegriff heißen] sind Aufgaben für jeden getauften Christen, sicherlich für einen Priester im Besonderen, da gehört es zum ‘Beruf’, aber nicht für ihn allein. Am Engagement in diesen drei Bereichen zeigt es sich, ob eine Pfarrei lebendig ist – und nicht daran, ob es noch einen Pfarrer gibt oder nicht – das sollte gerade uns klar sein, da wir wissen, dass die ‘Pastorale Planung’ der Diözese keinen eigenen Pfarrer für Hainsbach-Haindling mehr vorsieht.
Durch die Taufe gehören wir alle zu Christus, sind wir eine Gemeinschaft – ‘communio’ auf lateinisch. Diese Communio, die Gemeinschaft mit Christus und unsere Gemeinschaft in Christus wird sichtbar in der Feier der Eucharistie; wenn alle, die sich ‘Christen’ nennen, die Kommunion empfangen – das gehört ganz wesentlich mit dazu.